Eine Radsteuerung für ein Schiff dieser Größe ist nicht wirklich notwendig. Aber der Vorteil dieser Lösung in Verbindung mit zwei Rädern und zwei Rudern ist nicht wegzudiskutieren.

Die Plicht ist mit dieser Anordnung viel größer und kann sehr viel besser genutzt werden, als mit einem zentralen Rad (keine Lieferoption) oder der optionalen Pinne. Man kann frei von achtern am Tisch vorbei zum Niedergang gehen. Der Tisch ist ein stabiler Haltepunkt im Seegang und vor Anker oder im Hafen sind nur Schiffe mit mindestens 35 Fuß Länge vergleichbar geräumig. Über die beiden mit Chromstopfen verschlossenen Löcher im Cockpitboden kann die Notpinne direkt auf das Ruder aufgesteckt werden.

Aber auch Unterwasser ist alles doppelt. Die zwei Ruder sorgen hier dafür, dass das Schiff auch dann, wenn andere bereits aus dem Ruder laufen, weil das Mittelruder aufgrund der Lage nur noch sehr wenig Wirkung im Wasser erzeugt, stoisch geradeaus fährt. Einen Sonnenschuss hatte ich mit der RÊVER noch nie. Das verleiht dem Boot eine zusätzliche Stetigkeit, die ich nicht mehr missen möchte.
Der Propeller strahlt zwar die Ruder nicht an, was unter Maschine tatsächlich suboptimal ist. Allerdings hat die RÊVER einen guten Radeffekt, mit dem man auch ohne Anströmen arbeiten kann; und wenn das Schiff auch nur minimal Fahrt hat, fällt die fehlende Anströmung durch den Propeller schon nicht mehr auf.

Die Doppelräder sind unter Maschine wirklich gut, weil man nicht in der Mitte des Bootes steht und Mast und Sprayhood immer im Weg hat. Mit einem Steuerrad in der Schiffsmitte wäre die Sicht meines Erachtens deutlich schlechter.
Mit der optionalen Pinne könnte man (mit einem Ausleger) ähnlich gut sitzen; stehen ist dann aber nur bedingt möglich oder man steuert mit den Knien.

Unter Segeln spielt dieses Setting aber die meisten Vorteile aus. Man sitzt – nicht zuletzt weil es kein Achterstag gibt – sehr bequem auf diesen Steuermannssitzen mit guter Sicht in die Segel und nach vorn …

… und kann ganz bequem und schnell von Luv nach Lee wechseln, um in einem verkehrsreichen Revier wie der Kieler Förde, ordentlich Ausguck gehen zu können. Dabei stört nicht der Pinnenausleger, der sich in der Großschot verheddert.

Auch bei Lage ist diese Anordnung einfach perfekt. Die hohe Fußrasten geben hinreichend Halt und die Sicht in die Segel ist super.
Ich weiß, dass es deutlich sportlicher wäre, das Schiff über eine Pinne zu steuern, aber ich möchte die Doppelsteueranlage nicht mehr missen. Tatsächlich sitzen Jutta und ich fast nur noch auf diesen beiden Plätzen.

Um Lederbezug und Chrom ein wenig zu schützen haben wir Bezüge dafür gekauft. So fassen sich die Räder hoffentlich auch noch in ein paar Jahren so gut an wie heute.
Die Einstellung des Spiels der Ruder erfolgt von der Achterkoje aus. Öffnet man dort die Luke in der Rückwand, gelangt man zu der Steueranlage. Dort kann man die gekonterten M8 Muttern nachziehen und so das Steuerseil spannen.
