Sturmflut an der Ostsee

Wir haben schon Tage vorher von einem starken Oststurm gehört. Aber am Freitag soll es darüber hinaus eine Sturmflut geben, mit 1,60 m über normal. Schade, dass mein Schiff nicht schon im Winterlager ist. Also bin ich Mittwoch Abend zum Schiff gefahren, habe die Leinen überprüft und so lang gemacht, dass das Schiff nicht durch die Leinen beim steigenden Wasser unter Wasser gezogen wird.

Die Ruhe vor dem Sturm

Am nächsten Tag stieg die Vorhersage am Pegel in Holtenau schon auf 1,90 m. Der Wind aus Ost wurde nun mit Orkanstärke angesagt. Die Häfen an der Ostsee sind auf Sturm aus Ost nicht ausgelegt, da sie in der Westwinddrift der Wettersysteme liegen. Ich bin also noch mal zum Hafen, um die Lage zu beurteilen.

Stege unter Wasser

Die Stege waren schon unter Wasser, was sie laut Pegel nicht sollten. Das könnte dafür sprechen, dass die Vorhersagen noch deutlich übertroffen werden und dass auch Pfähle und Kaimauern überspült werden. Sollte ich das Schiff verholen?

Die Stegklampen waren schon weg

Leider sind auch meine Leinen an Bord. Ich will aber die Luvleinen doppeln. Also ab in den Baumarkt und Leinen kaufen.

Noch reichen die Stiefel

Die Wasserstandsvorhersage lag nun bei 2,10m. Unsere Heckpfähle sind nur 2,30m. Was, wenn die Heckleinen durch den dann aufwärts gerichteten Zug vom Pfahl gezogen werden? Ich hätte die Leinen auf dem Pfahl sichern müssen. Mist! Jetzt komm ich nicht mehr gefahrlos an Bord. Ich muss zum Schiff.

Viel ist von den sonst zwei Meter hohen Pfählen nicht mehr zu sehen

Mein Nachbar hatte seine Leinen nicht verlängert. Das Schiff wurde von den Leinen unter Wasser gezogen. Hoffentlich hält der Steg das aus!

Noch halten die Leinen und rutschen nicht vom Pfahl

War das Schiff eigentlich gegen eine Sturmflut versichert? Ich saß im Auto und schaute dem Wasser beim Steigen zu. Der Wind im Hafen war auf 9 Bft angeschwollen. Der Leuchtturm Kiel hat 12 Bft gemessen und im Radio wurde die Evakuierung von Maasholm bekanntgegeben. Zum Glück war die Hafenmauer noch nicht überspült. In Schilksee sollen die Wellen die Molen bereits überlaufen haben. Die ersten Yachten sind dort gesunken!

Nun hat das Wasser die Hafenmauer überschritten und überflutet den Parkplatz auf dem ich stehe. Ich setze mein Auto weiter zurück.

Kiellinie unter Wasser

Dann ließ der Wind nach und das Wasser ging langsam zurück. Ich konnte nachts um 1 Uhr schlafen gehen. Am nächsten Morgen war der Spuk ohne Schäden vorbei. An der Ostsee sind in dieser Nacht über 100 Schiffe gesunken.

Glück gehabt!

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